Ein Rundgang durch die UNESCO-prämierten Berliner Siedlungen zeigt, wie Licht, Luft und Grün einst zur sozialen Idee wurden. Zwischen Hufeisensee und klaren Fensterbändern spürst du, wie konsequent Formen dem Alltag dienen. Ein älterer Anwohner erzählte uns, wie er als Kind die Schatten der Laubbäume auf den Putz zählen lernte – eine poetische Übung, die bis heute hilft, Rhythmus in serieller Architektur zu erkennen.
Die Weissenhofsiedlung wirkt wie ein offenes Lehrbuch, doch die schönsten Aha-Momente liegen in den Nebenwegen. Von Le Corbusiers Ideen schweift der Blick über Stadt und Hügel, während ein kurzer Abstecher zu zeitgenössischen Ergänzungen zeigt, wie sensibel Weiterbauen gelingt. Eine Anwohnerin schwärmte von der goldenen Stunde, wenn die weißen Kuben rosa schimmern. Halte dann inne, und vergleiche Volumen, Schatten und Blickachsen in Ruhe.
Zwischen Kiefern und sandigen Wegen liegen die Meisterhäuser, die mit reduzierten Formen überraschend warm wirken. Die Gehminuten zwischen Bauhaus-Gebäude und Wohnhäusern lassen verstehen, wie Arbeit, Experiment und Alltag räumlich zusammenspielen. Ein Guide berichtete, dass die Stille hier Teil der Gestaltung sei – man hört eigene Schritte, riecht Harz, sieht Kanten. Diese taktilen Eindrücke prägen Erinnerung fester als jede Abbildung.
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